LexikonRelative Strength Index (RSI)

Relative Strength Index (RSI)

Der Relative Strength Index vergleicht die durchschnittlichen Kursgewinne der letzten Kerzen mit den durchschnittlichen Kursverlusten und bildet das Verhältnis auf eine Skala zwischen 0 und 100 ab. Du liest daran ab, wie viel Kraft hinter einer Bewegung steckt und wann ein Markt kurzfristig überdehnt ist.

Berechnung

Der RSI rechnet nur mit den Schlusskursen CtC_t der Kerzen auf deinem Chart. nn ist die RSI-Länge.

1. Gewinne und Verluste je Kerze. Jede Veränderung zum vorigen Schluss wird in einen Gewinn- und einen Verlustanteil zerlegt, beide nie negativ:

Δt=Ct−Ct−1,Gt=max⁡(Δt, 0),Lt=max⁡(−Δt, 0)\Delta_t = C_t - C_{t-1}, \qquad G_t = \max(\Delta_t,\ 0), \qquad L_t = \max(-\Delta_t,\ 0)

2. Startwert. Die ersten Durchschnitte sind das einfache Mittel der ersten nn Veränderungen:

Gˉn=1n∑t=1nGt,Lˉn=1n∑t=1nLt\bar G_n = \frac{1}{n} \sum_{t=1}^{n} G_t, \qquad \bar L_n = \frac{1}{n} \sum_{t=1}^{n} L_t

3. Wilder-Glättung. Danach fließt jede neue Kerze mit dem Gewicht 1/n1/n ein:

Gˉt=(n−1) Gˉt−1+Gtn,Lˉt=(n−1) Lˉt−1+Ltn\bar G_t = \frac{(n-1)\,\bar G_{t-1} + G_t}{n}, \qquad \bar L_t = \frac{(n-1)\,\bar L_{t-1} + L_t}{n}

4. RSI.

RSt=GˉtLˉt,RSIt=100−1001+RSt\mathrm{RS}_t = \frac{\bar G_t}{\bar L_t}, \qquad \mathrm{RSI}_t = 100 - \frac{100}{1 + \mathrm{RS}_t}

Ist Lˉt=0\bar L_t = 0, gab es im geglätteten Fenster keine Verluste, und der RSI steht auf 100. Der erste Wert erscheint auf der Kerze n+1n+1, weil die allererste Kerze keinen Vorgänger hat, mit dem sie sich vergleichen ließe.

Hinweis Die Wilder-Glättung ist keine EMA. Ihr Faktor ist 1/n1/n statt 2/(n+1)2/(n+1), bei Länge 14 also rund 0,071 statt 0,133. Ein RSI auf EMA-Basis reagiert fast doppelt so schnell und erreicht 70 schon bei Bewegungen, die der RSI nach Wilder noch in den Sechzigern sieht. Der RSI hier rechnet wie die gängigen Charting-Plattformen.

So liest du ihn

  • Zonen: Ab Überkauft ab (Standard 70) ist die Kurve rot, bei Überverkauft bis (Standard 30) und darunter grün, dazwischen grau. Beide Zonen sind im Fenster schattiert.
  • 50er-Linie: Darüber überwiegen im Schnitt die Gewinne, darunter die Verluste. Sie gilt als Grenze zwischen Aufwärts- und Abwärtsmomentum.
  • Rückkehr aus der Zone: Als klassisches Signal gilt nicht das Erreichen von 70 oder 30, sondern das Zurückfallen unter 70 beziehungsweise das Steigen über 30.
  • Divergenzen: Macht der Kurs ein höheres Hoch, der RSI aber ein tieferes, hat die Bewegung an Kraft verloren. Spiegelbildlich gilt das am Tief.
  • Trendbereiche: In starken Aufwärtstrends pendelt der RSI oft zwischen etwa 40 und 80, in Abwärtstrends zwischen etwa 20 und 60. Überkauft heißt dort nicht, dass die Bewegung endet.

Einstellungen

EinstellungStandardWirkung
RSI-Länge14Länge nn für Startwert und Glättung (2–50). Kürzer reagiert schneller und erreicht die Zonen öfter.
Überkauft ab70Obere Schwelle im Reiter Schwellen (50–100): Zone, Hilfslinie und rote Färbung.
Überverkauft bis30Untere Schwelle im Reiter Schwellen (0–50): Zone, Hilfslinie und grüne Färbung.

Die Schwellen ändern nur die Darstellung, nicht den berechneten Wert.

Grenzen

  • Die Glättung hat ein langes Gedächtnis. Die ersten Dutzend Werte am linken Rand der Historie hängen deshalb noch vom Startwert ab, danach stimmt der RSI mit dem einer längeren Historie praktisch überein.
  • Er sieht nur Schlusskurse. Dochte und Volumen spielen keine Rolle.
  • In einem Trend kann der RSI lange in einer Extremzone bleiben. Als alleiniges Gegensignal taugt er dort nicht.

Verwandte Indikatoren